Kindertageseinrichtungen / Horte / Ganztagsschule

    ver.di kritisiert Corona-KiTa-Studie

    ver.di kritisiert Corona-KiTa-Studie

    Kind mit Frau pixabay Kind mit Frau

    Das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) und das Bundesgesundheitsministerium haben eine Studie beauftragt. Die Corona-KiTa-Studie.

    Für die Corona-KiTa-Studie untersucht das Deutsche Jugendinstitut (DJI) gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) die Situation der Kindertagesbetreuung aus sozialwissenschaftlicher und medizinischer Sicht. Untersuchungsziel ist festzustellen, wie die Einrichtungen auf die aktuellen Herausforderungen reagieren – und wie sich dies auf das Infektionsgeschehen auswirkt.

    Die Forschungsfragen werden wie folgt gestellt:

    1. Unter welchen Bedingungen wird die schrittweise Öffnung aktuell angeboten?
    2. Welche Herausforderungen sind für die Einrichtungen1, das Personal, die Kinder sowie die Eltern (mit und ohne Betreuung) von besonderer Bedeutung?
    3. Unter welchen Voraussetzungen gelingt eine schrittweise, kontrollierte Öffnung?
    4. Wie hoch sind die damit einhergehenden Erkrankungsrisiken für alle Beteiligten?
    5. Welche Rolle spielt die Gestaltung der Kindertagesbetreuung für die weitere Verbreitung von SARS-CoV-2? Welche Rolle kommt dabei Kindern zu?

    Bislang liegen drei Monatsberichte vor. Bereits nach dem ersten Bericht hat ver.di gegenüber dem DJI in einem internen Schreiben kritisiert, dass die in dem Bericht aufgeworfene Forschungsfrage „Wie hoch sind die damit einhergehenden Erkrankungsrisiken für alle Beteiligten“, die eingangs formuliert wird, nicht beantwortet wird. Die Ergebnisse beziehen sich nur auf Kinder der Altersgruppe 0 - 4 bzw. 0 – 5, von ihnen wird das Gefährdungspotenzial für die weiteren beteiligten Personengruppen abgeleitet. In den täglichen Lageberichten des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) (Homepage des RKI – tägliche Situationsberichte) werden die an das RKI übermittelten Fälle von COVID-19 nach Tätigkeit oder Betreuung in Einrichtungen mit besonderer Relevanz für die Übertragung von Infektionskrankheiten erfasst. Darunterfallen sowohl Betreute/Untergebrachte als auch Beschäftigte in Einrichtungen nach § 33 IfSG, zu denen u. a. auch Kitas und Kinderhorte zählen. Das RKI fasst hier die Zahlen zu bestätigten Fällen, hospitalisierten Fällen und auch die Zahlen der Verstorbenen auf. Die Datenlage ist existent, findet im Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie jedoch leider keine Berücksichtigung.

    Die wissenschaftliche Begleitung der Kita-Öffnung halten wir für dringend notwendig. Wir bedauern jedoch sehr, dass bislang die Infektionen der Beschäftigten nicht in den Berichten dargestellt werden. Einseitige Ergebnisse, die sich ausschließlich auf die Infektionen bei Kindern beziehen, können zu falschen Schlussfolgerungen führen.

    Der Umgang mit diesen Ergebnissen darf nicht dazu führen, dass Beschäftigte Risiken ausgesetzt werden, die aktuell noch nicht absehbar werden. Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz sind zwingend einzuhalten. Die Corona-Arbeitsschutzrichtlinien sind aktuell im KiTa-Bereich nicht anwendbar und bedürfen einer entsprechenden Anpassung. Unter der Prämisse, den Arbeitsschutz zu gewährleisten, beginnen einige Länder wie z. B. das Saarland, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen bereits damit, das Fachkräftegebot aufzuweichen. ver.di befürchtet in der Folge eine massive Überforderung des Systems der frühkindlichen Bildung. Der bereits vor der Pandemie existente Fachkräftemangel wird sich, im Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen weiter verschärfen. Der Druck, fachfremdes Personal zur Unterstützung heranzuziehen, wird letztlich auf Träger- und Kitaleiter*innen ausgeübt. Die Leidtragenden werden primär die Beschäftigten sein. Sekundär werden aber auch die Kinder aufgrund der Überforderung des Systems Schaden nehmen. Die sich verschlechternde Fachkraft-Kind-Relation verringert die Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten der Kinder drastisch.

    Kindertageseinrichtungen sind sowohl pädagogische Orte als auch Arbeitsstätten. Um alle Beteiligten zu schützen und allen gerecht zu werden, sind Maßnahmen des Gesundheitsschutzes notwendig wie z. B. Desinfektionsmittel, Mundschutz, Arbeitskleidung, überschaubare Kontakte und eine systematische Teststrategie. ver.di fordert die politischen Entscheidungsträger*innen auf, diesen Forderungen nachzukommen.

    ver.di ruft dazu auf, die umfassenden Datenerhebungen des DJI und des RKI zu unterstützen. Durch ein bundesweites KiTa-Register soll für die Corona-KiTa-Studie wöchentlich dokumentiert werden, unter welchen Bedingungen die Kindertagesbetreuung zurzeit arbeitet.

    Mit der Corona-KiTa-Studie soll analysiert werden, inwieweit die Rückkehr in den Regelbetrieb und die Ausbreitung von Infektionen bei Kindern und Erwachsenen im Zusammenhang stehen. Die Erhebung beruht dabei auf insgesamt vier Modulen: Neben den bundesweiten Daten aus dem KiTa-Register wird eine Stichprobenbefragung in rund 3.000 Einrichtungen durchgeführt und die Erkrankungshäufigkeit von Kindern und Familien anhand von COVID-19-Meldungen und anlassbezogene Tests festgestellt.

    Träger und Kita-Leiter*innen können sich melden und an der Dokumentation beteiligen. Informationen über die Studie, das KiTa-Register und wie die Beteiligung funktioniert unter: www.corona-kita-studie.de

    ver.di wird im direkten Kontakt mit dem DJI die Corona-Kita-Studie kritisch begleiten und die Perspektive der Beschäftigten im, durch das BMFSFJ eingerichteten, Corona–Kita-Rat vertreten.

    Präsentation von Ministerin Giffey zum Start des neuen Kita-Jahres: https://www.bmfsfj.de/blob/159598/a74c8c97f6209910af0ac81ba44ebb81/bmfsfj-kita-pk-praesentation-final-data.pdf