Kindertageseinrichtungen / Horte / Ganztagsschule

    Podiumsdiskussion zum Kita-Fachkräftemangel

    Podiumsdiskussion zum Kita-Fachkräftemangel

    Podiumsdiskussion zum Kita-Fachkräftemangel Streckwaldt Podiumsdiskussion

    Am Freitag den 10.09.21 fand im niedersächsischen Stade eine Podiumsdiskussion zum Thema Fachkräftemangel in Kitas mit Expert*innen aus Politik, Praxis und der Gewerkschaft ver.di statt. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung, zu der sich etwa 40 Gäste einfanden, von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF). Die praktische Perspektive wurde durch Anette Gutsfeld, eine ehemalige Kita-Leiterin und Andreas Gubernatis, derzeit Leiter einer Kita in Buxtehude vertreten. Die Politik wurde vertreten durch Kai Koeser, Bundestagskandidat der SPD im Landkreis Stade, Svenja Stadler Bundestagsabgeordnete der SPD aus Harburg, sowie durch Björn Protze aus dem Stader Kreistag. Die Gewerkschaft ver.di wurde durch  Dr. Elke Alsago repräsentiert, die als Referentin des ver.di -Bundesvorstandes und Expertin zur Ausbildung von Erzieher*innen vor Ort war.

    Anschließend an einige kurze Statements der Teilnehmenden, folgte ein Vortrag von Dr. Elke Alsago, in diesem sie anhand aktueller Daten auf den prekären Fachkräftemangel in Kindertagesstätten und die diffusen Bedingungen und Regelungen der Ausbildungen von Erzieherinnen und Erziehern aufmerksam machte. Die ver.di Kritik an den gültigen gesetzlichen Regelungen zur Ausbildung basiert in erster Linie darauf, dass es in einigen Bundesländern keinen Schutz durch einen Ausbildungsvertrag gibt, teilweise keine Ausbildungsvergütungen bezahlt werden und es an einheitlich festgeschriebenen Qualitätsstandards der Ausbildung insgesamt und bei den Prüfungen mangelt. Dieser chaotische Zustand, indem jedes Bundesland seine eigenen Regelungen hat, sei auch mit Blick auf das beschlossene Ganztagsförderungsgesetz nicht weiter tragbar. Mit dem beschlossenen Rechtsanspruch auf ganztätige Bildung und Betreuung wird der Bedarf nach ausgebildeten Erzieher*innen zusätzlich deutlich ansteigen.  Um die Versorgung in den Einrichtungen in Zukunft gewährleisten zu können, müsse der Beruf des/der Erzieher*in attraktiver werden. Dieses Ziel lasse sich neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit durch eine attraktivere Ausbildung voranbringen. ver.di hat daher einen Vorschlag für eine bundeseinheitliche Ausbildung für den Beruf der staatlich anerkannten Erzieher*in erarbeitet. (Das Positionspapier kann am Ende des Artikels heruntergeladen werden)  

    Dieses Gesetz sieht u.a. die partnerschaftliche Verantwortung von Bund, Ländern, Arbeitgebern und Arbeitnehmer*innen, eine Aufwertung des Lernortes Praxis, einen Ausbildungsvertrag, Mitbestimmungsrechte im Betrieb und eine Ausbildungsvergütung vor. Das gegenwärtige Qualifikationsniveau, welches mit einem Bachelorabschluss vergleichbar ist, müsse erhalten bleiben, da sozialpädagogische Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr anspruchsvoll sei und nur durch qualifiziertes Fachpersonal möglich sei, so Dr. Elke Alsago.  Diese Vorschläge fanden im Publikum, welches sich hauptsächlich aus Kita-Fachkräften und SPD Mitgliedern zusammensetzte, breite Zustimmung.

    In der anschließenden Diskussion äußerten viele Zuschauer*innen ihre Unzufriedenheit mit den jetzigen Arbeits- und Ausbildungsbedingungen und teilten ihre Bereitschaft die im vorgestellten Ausbildungsgesetz geteilten Forderungen der Gewerkschaft ver.di zu unterstützen. Es wurde deutlich, dass es zur Durchsetzung dieser Ziele und der Aufwertung der Institutionen eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Arbeitgebern und Gewerkschaften nötig sei.