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    Anforderungen sind gestiegen

    Kitatagung: ver.di fordert höhere Qualifikation für Erzieherinnen und Erzieher

    Niedersachsens ver.di-Landesvorsitzender Jürgen Homan hat sich für eine höhere Qualifikation der Erzieherinnen und Erzieher ausgesprochen. Von Erzieherinnen und Erziehern würden heute andere und mehr pädagogische Fähigkeiten verlangt als noch vor einigen Jahren: „Die Anforderungen an Qualifikationen sind gestiegen.“ Dies müsse sich auch im Ansehen, im Stellenwert und in der Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher niederschlagen, sagte Homan vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der zweiten Kita-Tagung in Hannover. Er sprach sich unter großem Applaus gegen Arbeitszeitverlängerungen aus. Bei der Tagung ging es ferner um die Themen Bildung und Gesundheit in der Kita. Zudem wurde über Aspekte der frühkindlichen Entwicklung diskutiert.

    Zu der Veranstaltung des Bildungswerks ver.di waren Ende Februar über 120 Erzieherinnen und Erzieher aus ganz Niedersachsen gekommen. Die erste Kita-Tagung hatte ein Jahr zuvor stattgefunden. Auch für 2009 ist eine große Kita-Tagung geplant.

    Peter Cloos, Professor für Erziehungs- und Sozialwissenschaft an der Universität Hildesheim plädierte dafür, dass sich Eltern, Erzieher, Kita-Träger, Vertreter der politischen und rechtlichen Instanzen sowie Interessenvertreter zu Kompetenzzentren vernetzen. Das Ziel dieses Netzwerks: Verbesserung der frühkindliche Förderung und Betreuung der Kinder. Es gelte, die Rahmenbedingungen zu verbessern und damit dem Ziel der Chancengleichheit näher zu kommen. Deshalb müssten Regelungen unter anderem zu Mindeststandards für die Kitas festgelegt werden. Er nannte dabei die Größe der Räume und Lärmpegel, die nicht überschritten werden dürften. Zu einer Kita-Gruppe dürften nicht mehr als 20 Kinder gehören. Die Kitas sollten in den Betrieben verankert oder in der Nähe des Wohnortes der Kinder angeboten werden.

    Dr. Peter Möller vom Zentrum für Entwicklungsdiagnostik und Sozialpädiatrie in Wolfsburg plädierte dafür, „den Druck von den Kindern zu nehmen“. Statt immer nach den Defiziten in der Entwicklung zu suchen, sollte festgestellt werden, „wie gut ein Kind etwas kann“. Die Förderung müsse umfangreich sein, sowohl auf die körperliche (Rennen, Toben, Klettern) als auch auf die geistige Entwicklung abzielen (Sprechen, Konzentrieren). Dabei solle der Spaß an der Bewegung und am Lernen im Vordergrund stehen.

    Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung machten in den Diskussionen die stetig steigende Arbeitsverdichtung deutlich: Die Zahl der Kinder in den Gruppen steige, die Gruppenzusammensetzungen seien zunehmend heterogen, es bleibe kaum noch Zeit für es, für die Beratung unter Kollegen oder Gespräche mit Eltern.

    Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, wie wichtig naturwissenschaftliche Experimente schon in den Kitas sind. Zum Beispiel: Wie Farben entstehen, sollten die Kinder mit Hilfe von kleinen Versuchen herausfinden. Solche Versuche aber bräuchten immer Vorbereitungszeit.

    Unstrittig auch, dass Kinder schon in den Kitas lernen müssten, mit Konflikten umzugehen und Wege zu finden, einen Streit zu schlichten – indem ein Kompromiss gesucht wird. Streit solle nicht vermieden, sondern es müssten Wege gesucht werden, den Konflikt zu lösen. Schon die Jüngsten in der Kita sollten lernen, dass eine Gruppe selber Regeln aufstellen kann, an die sich alle halten müssen.

    Während der Tagung wurde auch auf das FUN-Projekt (Familie und Nachbarschaft) in Detmold vorgestellt, das vom Institut für präventive Pädagogik Niedersachsen betreut wird. Im Rahmen dieses Projektes unterstützt die Kita die Familien der Kinder. So werden die Eltern unter anderem in der Haushaltsführung beraten, es wird zusammen gekocht und versucht, unter den Eltern der Kinder nachbarschaftliche Beziehungen und gegenseitige Hilfe zu fördern.   

    Ursel van Overstraeten (aus: standort - Zeitung des Fachbereichs Gemeinden vom Mai 2008)