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    Baden-Württemberg

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    Bildungsplan ver.di Bildungsplan

    Bildungsplan geht nicht weit genug

    Der Orientierungsrahmenplan, der in baden-württembergischen Kindergärten erprobt wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung. „Der Vorstoß geht aber nicht weit genug“, meint Dagmar Schorsch-Brandt, stellvertretende ver.di-Landesvorsitzende. Sie pocht auf verbindliche gesetzliche Qualitätsstandards, die für alle Kindergärten gelten müssen. Außerdem beschränke sich der Bildungsplan auf drei- bis sechsjährige Kinder, statt wie in anderen Bundesländer auf null- bis zwölfjährige.

    In 20 Kindergärten in Baden-Württemberg wird noch bis 2010 ein Bildungsplan erprobt, der dazu beitragen soll, Kinder im Kindergarten zu fördern. Der Bildungsplan zielt damit auf Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren ab, wobei die sprachliche Förderung im Zentrum steht.

    Für ver.di setzt für eine Förderung im Kindergarten voraus, dass der Besuch kostenlos ist. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Förderung allen Kindern zugute kommt. Außerdem müsse die Ganztagsbetreuung das Ziel sein. ver.di dringt ferner auf verbindliche Gruppengrößen und einen verbindlichen Personalschlüssel sowie Freistellungszeiten für unter anderem Vor- und Nachbereitung. Schorsch-Brandt verwies darauf, dass ver.di-Baden-Württemberg ferner eine Hochschulausbildung für Erzieherinnen und Erzieher fordert. Gleichzeitig müssten Übergangsreglungen für die gefunden werden, die bereits in dem Beruf arbeiten und diese Ausbildung nicht absolviert haben.

    Eine qualitativ hochwertigere Ausbildung beziehungsweise Weiterbildung müsse sich selbstverständlich auch in der Eingruppierung von Erzieherinnen und Erziehern bemerkbar machen: „Es kann nicht sein, dass Erzieherinnen und Erzieher so viel schlechter bezahlt werden als GrundschullehrerInnen.“

    (aus: standort - Zeitung des Fachbereichs Gemeinden vom Mai 2008)

     

    Harald Giesecke (Bundesfachgruppenleiter Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe) stellt das Projekt "Bildung realisieren" vor ver.di Erzieherinnentag 2008  – Harald Giesecke (Bundesfachgruppenleiter Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe) stellt das Projekt "Bildung realisieren" vor

    Erzieherinnentag 2008 - Weil die Anforderungen steigen

    Soziale Arbeit ist mehr wert – Erzieherinnen pochen auf bessere Eingruppierung

    Die Erzieherinnen im Land pochen auf eine bessere Eingruppierung. Das wurde erneut beim Erzieherinnen-Tag von ver.di-Baden-Württemberg am 7. November in Leinfelden-Echterdingen (bei Stuttgart) deutlich. Nach Ansicht der meist weiblichen Beschäftigten in diesem Job sind „Erzieherinnen wie Dessous: Spitzenqualität für ein Hauch von nichts.“

    Die Erzieherinnen verweisen auf die steigenden Anforderungen: Erzieherinnen sollen dafür sorgen, dass ihre Schützlinge schon in der Kinderkrippe und im Kindergarten nach ihren Fähigkeiten gefördert werden. Sie sollen eng mit den Eltern kooperieren, die Kinder nicht als Objekt pädagogischen Wirkens sehen, sondern als Subjekt und entsprechende Angebote machen. Bei der Frage einer besseren Bezahlung aber ducken sich die öffentlichen Arbeitgeber. In den bevorstehenden Verhandlungen um die neue Entgeltordnung dringt ver.di auf eine bessere Eingruppierung der Erzieherinnen.

    Zum Erzieherinnen-Tag waren rund 150 Frauen und wenige Männer gekommen. Im Mittelpunkt der Tagung standen die Aufwertung des Berufsbildes und eine bessere Bezahlung. Zudem diskutierte die Tagung nach einem entsprechenden Beitrag der Wissenschaftlerin Donata Elschenbroich über Bildungstagebücher und „Wunderkammern des Lernens“ in Kitas und Bildungshäusern.

     

    Donata Elschenbroich ver.di Donata Elschenbroich

    Kinder sind kleine Naturforscher

    Elschenbroich zeigte in Filmausschnitten: Kinder sind neugierig, Kinder wollen wissen, Kinder wollen ausprobieren. Kinder – auch oder gerade Babys – sind kleine Forscher. Sie brauchen dazu kein pädagogisches Spielzeug. Mindestens ebenso interessant oder gar viel interessanter sind Alltagsgegenstände, die es zu erkunden gilt: Von der Büro-Box über den Mörser und die Wasserwaage bis hin zur handbetriebenen Kaffeemühle. Erzieher wie Eltern müssen den Kindern die Zeit geben, gemäß ihrem individuellen Lernrhythmus die Dinge zu erforschen. Bekommen die Kinder diesen Raum, sind sie die eifrigsten Forscher und Entdecker.

    „Alltagsgegenstände sind mindestens so faszinierend wie Spielzeug“, stellt Elschenbroich fest: Aber Alltagsgegenstände sprechen nicht von selbst. Es braucht Kommunikation – auch durch die Eltern, indem sie den Kindern erklären und zeigen, wie zum Beispiel eine Wasserwaage funktioniert, was bei einer Kaffeemühle mit der Kaffeebohne passiert und warum sie überhaupt in der Mühle landen muss. 

    Für Donata Elschenbroich kann jede Kita, jeder Kindergarten den Kindern solche Angebote machen. Sie verweist auf Einrichtungen, die mit dem üblichen Personalschlüssel Wunderkammern des Lernens anbieten: In der Wunderkammer sind Alltagsgegenstände zusammengetragen worden, die sie sich ausleihen und zu Hause mit ihren Eltern untersuchen können. In den Bildungstagebüchern oder Portfolios halten die Kinder zum Beispiel anhand von Zeichnungen fest, was sie erkundet, was sie gelernt haben und was sie noch lernen wollen – auch als Dokumentation für den individuellen Weg.

    Keine Sonntagskindergärten, keine Modelkindergärten, keine Einrichtungen, die die oft geforderte zusätzliche Erzieherin vorweisen können, seien in dem Film dokumentiert worden. Es gehe auch nicht darum, täglich in die „Wunderkammer des Lernens“ zu greifen. „Das sind Nuggets, das ist nicht Alltag“, sagt Elschenbroich: Aber um die Erwartung zu verdeutlichen, werde das höchste Niveau gezeigt.

     

    Heike Rippert ver.di Heike Rippert  – Heike Rippert (Mitglied in der Bundesfachgruppe Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe) erläutert die Vorstellungen von ver.di zur neuen Entgeltordnung

    Deutlich bessere Eingruppierung

    ver.di will bei den bevorstehenden Verhandlungen über die neue Entgeltordnung eine deutlich bessere Eingruppierung der Erzieherinnen durchsetzen. Baden-Württembergs stellvertretende ver.di-Landesvorsitzende, Dagmar Schorsch-Brandt, verwies darauf, dass beim Abschluss zu den Entgeltverhandlungen im März dieses Jahres mit den Arbeitgebern vereinbart wurde, zeitnah Verhandlungen über die Eingruppierung der Erzieherinnen aufzunehmen. Trotz ver.dis Terminvorschlägen seien die Arbeitgeber diesem Verhandlungsergebnis bisher nicht nachgekommen.

    Nach dem ver.di-Modell für die neue Entgeltordnung sollen Erzieherinnen künftig deutlich besser eingruppiert werden. Dafür sollen Differenzierungen wie besonders „schwierige Aufgaben“ entfallen. Die Begründung, die von den Teilnehmerinnen des Erzieherinnentages mitgetragen wird: Die Situation in nahezu allen Einrichtungen ist inzwischen schwierig und fordert hohe Qualitäten der Beschäftigten – ob Einrichtung an einem so genannten sozialen Brennpunkt oder auf dem Land.

    - jab./10. 11. 08