Kindertageseinrichtungen / Horte / Ganztagsschule

    Krippenbesuch lohnt sich

    Krippenbesuch lohnt sich

    ie Gewerkschaft ver.di fordert Kommunen und Land auf, trotz angespannter Haushaltslage den geplanten Ausbau des Betreuungsangebots für unter dreijährige Kinder nicht hinauszuzögern.

    Die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung zum volkswirtschaftlichen Nutzen der frühkindlichen Bildung zeige, dass der Besuch einer Krippe die Chancen sozialbenachteiligter Kinder, auf ein Gymnasium zu kommen, deutlich erhöhe. Ein Gymnasialabschluss erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein höheres Lebenserwerbseinkommen zu erzielen. Die Autoren der Studie beziffern den „Nettonutzen“ (erzielbares höhere Lebenseinkommen – Kosten für Krippenbesuch) eines 15monatiger Krippenbesuchs auf 13.000 Euro.

    „Wären 1998 die Angebote für frühkindliche Betreuung in Baden-Württemberg so hoch wie 2009 gewesen, hätte die öffentliche Hand einen Nutzen von fast drei Milliarden Euro gehabt“, so Dagmar Schorsch-Brandt, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin. „Die vorgesehene Verdreifachung des bestehenden Angebots bis 2013 muss daher wie geplant umgesetzt und darf nicht hinausgezögert werden.“

    Ideologische Debatten, wie sie zurzeit um das geplante Betreuungsgeld für die häusliche Betreuung unter dreijähriger Kinder geführt würden, so die Gewerkschafterin, müssten angesichts des Ergebnisses dieser Studie der Vergangenheit angehören. Statt Geld mit der Gießkanne auszuschütten, wäre es sinnvoller, die dafür notwendigen Kosten von 1,2 Milliarden Euro gezielt in den bedarfsgerechten Ausbau von Kindertageseinrichtungen und eine Verbesserung der Qualität zu stecken.

    Neben dem quantitativen Ausbau des bestehenden Betreuungsangebots für unter dreijährige Kinder fordert ver.di, die Qualitätsanforderungen an frühkindliche Bildung nicht aus dem Blick zu nehmen. Es sei bedauerlich, so Schorsch-Brandt, dass Land und Kommunen beim Kompromiss zur Umsetzung des Orientierungsrahmenplans nur dessen stufenweise Umsetzung vereinbart hätten. Land und Kommunen hatten sich am 24.11.2009 geeinigt, den Personalschlüssel schrittweise von 2010 bis 2012 um insgesamt 0,2 – 0,3 Stellen zu verbessern. Die Kosten von rund 200 Millionen Euro werden zu zwei Drittel vom Land und zu einem Drittel von den Kommunen getragen.
    „Es wäre von allen Beteiligten kurzsichtig, trotz vorhandener knapper öffentlicher Mittel nur die unmittelbaren Kosten für den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung ins Auge zu fassen und darüber hinaus den langfristigen volkswirtschaftlichen Nutzen zu vernachlässigen“, so Schorsch-Brandt.

    Die Aufwertung des pädagogischen Fachpersonals müsse unter qualitativen Gesichtspunkten weiter auf der Agenda stehen.

    „Mit dem jüngsten Tarifabschluss für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst ist von den Tarifparteien ein erster wichtiger Schritt gemacht worden“, so Schorsch-Brandt.